Artenschutz – Eine zentrale Aufgabe des Zoos
Der Artenschutz ist eine der vier zentralen Aufgaben eines zoologischen Gartens und in der heutigen Zeit wichtiger denn je. Zoos sind einerseits eine Begegnungsstätte von Menschen und wilden Tieren und können so für die Bedrohungen und den Schutz der Natur sensibilisieren. Andererseits verfügen Zoos über die fachliche Erfahrung in der Pflege, der Zucht und der Haltung bedrohter Tierarten und können so enorm wichtige Beiträge zum Arten- und Naturschutz leisten.
Allgemein lassen sich die Artenschutzbemühungen eines wissenschaftlich geleiteten Zoos in zwei Bereiche unterteilen:
- Ex-Situ: Artenschutz vor Ort, in den Herkunftsländern der Tiere
- In-Situ: Artenschutz im Zoo selbst, außerhalb des ursprünglichen Lebensraums
Der Bergzoo Halle unterstützt mehrere, zum Teil sehr erfolgreiche Schutzprojekte auf der ganzen Welt finanziell und trägt dadurch zum Schutz der Lebensräume bedrohter Tier- und Pflanzenarten bei.
Zudem unterstützen wir jährlich drei verschiedene Nichtregierungsorganisationen durch Spenden. So können sie ihre administrativen Aufgaben erfüllen. Dazu zählen die Stiftung Artenschutz, die Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP) und Citizen Conservation. Diese NGOs koordinieren und betreuen aktiv verschiedenste Arten- und Populationsschutzprojekte im nationalen und internationalen Bereich, sie unterstützen engagierte Menschen, die Zucht- oder Auffangstationen in ihren Heimatländern umsetzen möchten und sie stellen eine intensive Verknüpfung zwischen Ex-situ und In-situ-Einrichtungen her, damit Artenschutz im Sinne eines „One-Plan-Approach“, also ganzheitlich zum Schutz der Artenvielfalt, funktionieren kann.
Was können Sie als Zoobesucher für den Artenschutz tun?
Sie unterstützen mit Ihrem Eintrittsgeld und dem zusätzlichen Zoo-€uro die verschiedenen Artenschutzprojekte. Durch diese zusätzlichen Einnahmen konnten wir im Jahr 2023 insgesamt über 45.000 Euro und im Jahr 2025 über 85.000 € an unsere Artenschutzprojekte spenden.
Zusätzlich fördern Sie durch einen Zoobesuch unsere Arbeit, die wir für den Artenschutz bei uns im Zoo oder in den Heimatländern der Tiere betreiben.
Finden Sie es heraus – und werden Sie selbst zum Artenschützer!
Mit Erhaltungszucht Reservepopulationen schaffen

Bei uns im Bergzoo Halle kommen wir einer weiteren, enorm wichtigen Aufgabe nach: der Erhaltungszucht bedrohter Tierarten. Viele unserer tierischen Bewohner sind in ihren Heimatländern durch menschliche Eingriffe stark bedroht und drohen auszusterben. Für diesen Fall bilden unsere Tiere innerhalb der Zoogemeinschaft eine Reservepopulation, die ein endgültiges Aussterben einer Art verhindern kann.
Diese Populationen werden in sogenannten Erhaltungszuchtprogrammen europa- oder weltweit koordiniert und sollen so über viele Generationen hinweg genetisch und körperlich gesund bleiben. Innerhalb dieser Zuchtbücher werden genetisch passende Zuchtgruppen zusammengestellt, geborene Jungtiere an andere Zoos vermittelt und eine nachhaltig bestehende Population gemanagt.
Wir im Bergzoo Halle übernehmen die Koordination folgender Zuchtbücher:
- Zweifinger-Faultier
- Trompetervögel
- Silbergibbon (Vize-Koordination)
Außerdem beteiligen wir uns mit folgenden Tierarten an Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen EEPs (European Ex-Situ Programme) oder ESBs (European Studbook):
Afrikanischer Steppenelefant, Afrikanischer Löwe, Annam-Sumpfschildkröte, Berberaffe, Blauer Baumwaran, Blaukappenhäherling, Blaukrönchen, Blauschaf, Brasilianischer Greifstachler, Brasiltangare, Buschschliefer, Darwin-Nandu, Luzon-Dolchstichtaube, Erdferkel, Erdmännchen, Europäische Sumpfschildkröte, Fischerturako, Gelbkopfschildkröte, Gewöhnlicher Totenkopfaffe, Gänsegeier, Goldtakin, Graubrustsittich, Grauflügel-Trompetervogel, Grauhand-Nachtaffe, Großer Ameisenbär, Hartmann-Bergzebra, Humboldtpinguin, Kea, Lisztäffchen, Löffelhund, Marañon-Baumsteiger, Moorente, Neuguinea-Kurzschnabeligel, Nacktnasenwombat, Ostchinesischer Schopfhirsch, Östlicher Braunpelikan, Riesenotter, Roter Panda, Salzkatze, Schimpanse, Schmutzgeier, Schnee-Eule, Schrecklicher Pfeilgiftfrosch, Schwalbensittich, Schwarzstorch, Silbergibbon, Springtamarin, Strahlen-Dreikielschildkröte, Straußwachtel, Südamerikanischer Seebär, Südliches Kugelgürteltier, Südpudu, Sumatratiger, Vietnamfasan, Vikunja, Von-der-Decken-Toko, Waldrapp, Weißgesichtssaki, Westkaukasischer Steinbock, Wickelschwanzskink, Zwergflusspferd, Zwergmara
Endziel – Auswilderung
Die Erhaltungszucht in Zoos hat immer ein Endziel: die Auswilderung von Tieren in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet. Dies ist jedoch nur möglich, wenn entsprechend geeignete und gesicherte Lebensräume vorhanden sind – auch deshalb sind Schutzprogramme vor Ort von großer Bedeutung. In den letzten Jahren konnten wir bereits einige Tiere aus unserem Zoo zur Auswilderung abgeben, darunter Vietnam-Fasane, Waldrappe nach Spanien oder unsere Riesenotter „Tama“ und „Anori“ nach Argentinien. Seit dem Jahr 2024 beteiligen wir uns zudem am Feldhamster-Zuchtprojekt zur Auswilderung von Feldhamstern in Sachsen. Bereits im Frühjahr 2025 konnten 42, im Bergzoo überwinterte Feldhamster in Sachsen ausgewildert werden.
Unser Engagement im Detail
Silbergibbons auf Java
Regenwaldschutz im Einklang mit der Bevölkerung
Seit 2023 unterstützt der Bergzoo das Projekt zum Schutz von Silbergibbons auf der Insel Java im Indischen Ozean. Ins Leben gerufen wurde dieses Projekt von den Organisationen Chances for Nature e.V. und Swara Owa. Im Regenwald der Dieng-Berge auf Java lebt noch eine relativ große Population der stark bedrohten Silbergibbons. Diese Wälder werden von den örtlichen Einwohnern als landwirtschaftliche Anbaufläche genutzt – und das im Einklang mit den Pflanzen und Tieren des Regenwaldes.
Unter anderem wird dort ökologisch und gibbonfreundlicher Kaffee angebaut. Dieser Kaffee wird auf dem Markt von Singapur verkauft und gilt als besonders hochwertig. Zusätzlich werden auch Durian-Früchte und Honig von Wildbienen geerntet und schaffen mit dem Kaffee eine wichtige Einnahmequelle der Dorfbewohner und ebenso einen großen Anreiz, die Natur zu bewahren. Um der einheimischen Bevölkerung, aber auch Touristen, die Natur und Tierwelt der Dieng-Berge näher zu bringen, wurden bereits erste Beobachtungsstationen errichtet, die in Zukunft den schonenden Ökotourismus fördern sollen.
Außerdem werden durch das Team vor Ort zusammen mit der indonesischen Umweltbehörde die Bestände der Wildtiere regelmäßig überwacht, etwa mit automatischen Wildkameras oder Geräuschdetektoren. Diese haben neben den Silbergibbons auch weitere Primaten wie Languren und Plumploris sowie Wildschweine und seltene Leoparden nachgewiesen. Diese Ergebnisse sollen zum stärkeren Schutz von 6.000 Hektar Wald als Naturschutzgebiet führen.
Nach zehn Jahren des Projekts konnten nun auch erste bemerkenswerte Erfolge verzeichnet werden. Seit dem Jahr 2012 ist die Population der Silbergibbons in den Dieng-Bergen um 22% angestiegen. Sie umfasst nun etwa 1092 Individuen! Dieser Zuwachs zeigt, dass der nachhaltige Natur- und Artenschutz durch das Projekt im Zusammenspiel mit der lokalen Bevölkerung der richtige Weg ist, die Silbergibbons auf Java zu schützen.
Fotos: Chances for Nature e.V.
Nördlicher Gelbwangen-Schopfgibbon in Vietnam
Schutzgebiete vergrößern und miteinander verbinden
Der Nördliche Gelbwangen-Schopfgibbon gehört zu den seltensten Primaten Asiens und lebt in einem relativ kleinen Waldgebiet in Südvietnam, Laos und Kambodscha. Durch menschliche Eingriffe, wie Waldrodung, Landwirtschaft und Wilderei ist diese Gibbonart mittlerweile stark gefährdet. Daher unterstützen wir seit 2019 ein umfangreiches Schutzprojekt der Stiftung Artenschutz und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) zum Schutz des Lebensraums dieser seltenen Affen.
Das Projekt sieht vor, zwei bestehende Schutzgebiete in Vietnam durch einen Korridor miteinander zu verbinden, was den unbedingt notwendigen genetischen Austausch zwischen mehreren Populationen ermöglicht. Zusätzlich soll ein weiteres, bisher noch nicht ausreichend wissenschaftlich bearbeitetes und noch ungeschütztes Waldgebiet in das Schutzgebiet integriert werden, so dass eine Gesamtfläche von über 120.000 Hektar geschützten Regenwald entsteht. Neben den Nördlichen Gelbwangen-Schopfgibbons beherbergt dieses Gebiet unter anderem auch die vom Aussterben bedrohten Grauschenkligen Kleideraffen.
Um dieses Ziel zu erreichen, werden mit den Spendengeldern verschiedene Maßnahmen ergriffen, die den Wald und seine Bewohner vor unerlaubten menschlichen Eingriffen schützen sollen. Dazu zählt etwa die Errichtung klarer Grenzen der Schutzzone, eine einheitliche administrative Verwaltung und die Aufklärung der lokalen Bevölkerung. Gerade die kooperative Zusammenarbeit mit Einheimischen vor Ort ist für die Akzeptanz von Arten- und Naturschutzmaßnahmen von großer Bedeutung. Ein Freiwilligenteam überwacht zusammen mit lokalen Behörden die Wilderei in den Gemeinden. Dadurch ist eine bessere und effektivere Strafverfolgung möglich. Durch die Einführung von Ranger-Patrouillen durch das Reservat sollen illegale Eingriffe, wie Wilderei oder Holzeinschlag, schon proaktiv verhindert werden. Zudem ermöglicht das auch ein genaueres Monitoring der Wildtierbestände innerhalb des Schutzgebiets, etwa mit automatischen Kamerafallen oder Tonaufnahmegeräten.
Fotos: Nguyen van Truong (links), Christoph Schenk, ZGF, (Mitte und rechts)
Humboldtpinguine in Peru und Chile
Öffentlichkeitsarbeit und Einrichtung einer Rettungsstation
Seit vielen Jahrzehnten gehören die Humboldtpinguine zu den Besucherlieblingen des Bergzoos und sind gleichzeitig auch eine der wichtigen Arten im Artenschutzengagement weltweit. Zusammen mit dem Verein Sphenisco e.V., der seinen Sitz im Zoo Landau hat, unterstützen wir seit mehr als 15 Jahren den Schutz der Humboldtpinguine in ihrem ursprünglichen Lebensraum, den Küsten von Chile und Peru. Dort sind die Humboldtpinguine mittlerweile als gefährdet eingestuft und die Bestände weiterhin abnehmend. Gründe hierfür sind unter anderem die kommerzielle Fischerei, veränderte klimatische Bedingungen und der Abbau von Guano.
Sphenisco e.V. arbeitet vor Ort mit lokalen Partnern zusammen, die den Schutz der Pinguine und des einzigartigen Ökosystems an der Westküste Südamerikas vorantreiben. Mit den Spendengeldern aus dem Zoo Halle wurden unter anderem Aktionen und Kampagnen gegen den Bau eines Bergbauhafens oder anderer Industrieprojekte mitten im Lebensraum der Humboldtpinguine finanziert, die bis heute auch Erfolg zeigen.
Das neueste gemeinsame Projekt ist die Einrichtung einer Rettungsstation für verletzte Seevögel, in erster Linie Humboldtpinguine, an der Universität Coquimbo im Norden Chiles. Die Station wäre die einzige Einrichtung ihrer Art in der gesamten Region, in der verletzte oder abgemagerte Pinguine aufgenommen, rehabilitiert und wieder ausgewildert werden können. Zusammen mit der chilenischen Fischereibehörde und lokalen Partnern übernimmt Sphenisco e.V. dank der Spendengelder aus deutschen Zoos, darunter aus Halle, die Sanierung und Einrichtung der Räumlichkeiten. Vergleichbare Einrichtungen in anderen Ländern mit Pinguinvorkommen können nachweisen, dass durch deren Arbeit die Bestände signifikant gestiegen sind. Eine ähnliche Entwicklung wäre auch für die Humboldtpinguine in Chile und Peru mit der Rettungsstation in Coquimbo zu erhoffen.
Fotos: Simon Kirchberger (links), Sphenisco (mitte und rechts)
Roter Panda in Nepal
Langfristige Wiederaufforstung auf 9 Hektar Land
Rote Pandas leben in den Laubwäldern des östlichen Himalaya-Gebirges. Besonders der Lebensraumverlust durch intensive Waldnutzung, Siedlungen und Straßen machen den Katzenbären das Überleben schwer. Nachdem der Bergzoo von 2019 bis 2021 ein Forschungsprojekt zur Samenverbreitung durch Rote Pandas der Stiftung Artenschutz finanziell unterstützt hat, geht es ab 2025 um die konkrete Wiederaufforstung in Nepal.
Die Artenschutzgelder werden dem Red Panda Network zur Verfügung gestellt, welche über drei Jahre hinweg 9 Hektar degeneriertes Land erwirbt und wiederaufforstet. Das entspricht der Größe des halleschen Bergzoos. Damit soll ein Landschaftskorridor im Osten von Nepal an der Grenze zu Indien entstehen, der ein Biodiversitäts-Hotspot darstellt und mehrere Schutzgebiete miteinander verbindet. Durch diese Schutzgebietserweiterung verbessern sich die Lebensbedingungen nicht nur für Roten Pandas, sondern auch für Chinesische Schuppentiere und Bengaltiger.
Das Aufforstungsprogramm das Red Panda Network bietet gleichzeitig alternative und nachhaltige Einkommensmöglichkeiten für die lokale Bevölkerung, da die Pflanzen in regionalen „Gärtnereien“ gekauft werden und auch Menschen aus der Region für Pflanzung und Pflege beauftragt werden.
Fotos: Stiftung Artenschutz
Sumatra-Tiger auf Sumatra
Kontrolle der Tierbestände im Nationalpark und Bildungsarbeit
Seit 2024 unterstützt der Bergzoo als einziger deutscher Zoo ein Projekt zum Schutz von Sumatra-Tigern im Way Kambas Nationalpark im Südosten der Insel Sumatra. Neben Sumatra-Tigern leben hier auch Schabrackentapire, Sumatra-Elefanten und die letzten Sumatra-Nashörner, die stark vom Aussterben bedroht sind.
Der Way Kambas Nationalpark wurde 1989 gegründet, um die Renaturierung des Regen- und Mangrovenwaldes voranzutreiben, nachdem in den 1960er Jahren massiver Holzeinschlag stattfand. Ziel des Projektes ist die Tier- und Pflanzenwelt des Nationalparks zu beobachten und zu kontrollieren, Bildungsarbeit in der lokalen Bevölkerung durchzuführen und Tierforschungen mit Studenten von lokalen Universitäten zu fördern.
Rangerpatrouillen und Kamerafallen-Monitoring im Schutzgebiet dokumentieren neben Tiersichtungen auch illegale Aktivitäten. Dazu zählen Wilderei, Straßenbau und Waldbrände. Gleichzeitig identifizieren die Ranger gemeinsam mit Studenten Pfotenabdrücke, Kratz- und Kotspuren. So können sie Rückschlüsse auf das Vorkommen von Sumatra-Tigern und anderen Säugetieren ziehen. Derzeit gibt es nur noch 400 Sumatra-Tiger auf ganz Sumatra. Diese Populationsgröße reicht kaum aus, um für die Zukunft ein Überleben zu sichern.
Außerdem arbeiten die Ranger eng mit örtlichen Schulklassen zusammen, vermitteln Kenntnisse zu den lokalen Tierarten und wecken das Interesse und die Empathie der Schülerinnen und Schüler an ihrer eigenen Heimat.
Fotos: links (Julia Hellweg), PKHS (Penyelamatan & Konservasi Harimau Sumatera)
Schopfmakaken auf Sulawesi
Mit Bildung und Verhaltensforschung gegen die Wilderei
Der Schopfmakak ist mit seinem pechschwarzen Fell und dem namensgebenden Haarschopf einer der markantesten Vertreter der Inselwelt Indonesiens. Schopfmakaken kommen ausschließlich im Nordosten der Insel Sulawesi vor und leben dort in großen Gruppen von bis zu 100 Tieren im tropischen Regenwald. Duch menschliche Eingriffe wird der Lebensraum der Makaken immer kleiner und auch illegale Aktivitäten, wie Wilderei gefährden die Bestände. Die Weltnaturschutzorganisation IUCN listet den Schopfmakaken daher in der Kategorie „vom Aussterben bedroht“, was die Art zu einer der am stärksten bedrohten Affenarten weltweit macht.
Zusammen mit der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP) unterstützen wir seit 2022 das Macaca Nigra Project (MNP) im Tangkoko Reservat auf Sulawesi. Im Reservat werden Verhaltensstudien durchgeführt, die zum besseren Verständnis der Schopfmakaken und ihrer Bedürfnisse führen sollen. Außerdem kontrollieren Ranger das Reservat auf illegale Fallen, die für die Jagd auf Makaken benutzt werden. In den letzten Jahren wurden etwa 1.700 illegale Fallen gefunden und entfernt.
Auch die lokale Bevölkerung wird in den Schutz der Schopfmakaken einbezogen. Einheimische erhalten Jobs als Ranger oder Touristenführer und verdienen so mit dem Schutz der Affen ihren Lebensunterhalt. Konflikte zwischen Menschen und Affen, vor allem durch die Plünderung von Obstbäumen durch die Makaken, werden durch Eingreifen der Mitarbeiter vor Ort und Entschädigungszahlungen entschärft. Über eine eigene Bildungsinitiative sollen vor allem Kinder an den Schulen die Tiere des Regenwaldes kennenlernen und für ihren Schutz sensibilisiert werden. Das Tangkoko Conservation Education Program (TCE) konnte in den letzten Jahren so bereits über 3.400 Schüler für den Schutz der seltenen Schopfmakaken und ihres Lebensraums begeistern.
Fotos: Macaca Nigra Project
Agroforst Kukang auf Sumatra
9 Hektar für die Tiere des Regenwalds – Nachhaltige Nutzwälder auf Sumatra
Seit 2026 unterstützt der Bergzoo ein besonderes Artenschutzprojekt auf Sumatra am Rand des weltberühmten Gunung Leuser Nationalparks – das Kukang Rescue Program. Ziel dieses Artenschutzprogramms ist es, landwirtschaftlich genutzter Flächen nachhaltig in artenreiche Nutzwälder umzuwandeln, sogenannte Agroforstsysteme, in denen Nutzpflanzen und Wildbäume nebeneinander wachsen. Die Artenschutzgelder des Bergzoos reichen für 9 Hektar Agroforst. Diese Fläche entspricht exakt der Größe unseres Zoos.
Solche nachhaltigen, naturnahen Nutzwälder schützen die sensiblen Randzonen des Nationalparks, indem sie verhindern, dass weitere Flächen in artenarme Mais- oder Reisfelder umgewandelt werden. Sie sind deutlich artenreicher als herkömmliche Agrarflächen und wirken als wichtige Trittsteine, die Waldgebiete miteinander vernetzen und einer Reihe von dort lebenden Tier- und Pflanzenarten einen geeigneten Lebensraum bieten – ganz wie unsere heimischen Forste. So bietet der Verbund aus Nationalpark, weiteren Schutzgebieten und naturnahen Nutzwäldern mehr Raum für größere Populationen zahlreicher Tier- und Pflanzenarten des Regenwaldes, als es der Nationalpark alleine könnte. Der stark gefährdete Sunda-Plumplori (Nycticebus coucang) ist beispielsweise eine solche Art, die auch gut in von Menschen genutzten Wäldern leben kann und im Projektgebiet regelmäßig vorkommt.
Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist die Zusammenarbeit mit lokalen Bäuerinnen und Bauern. Sie verpflichten sich, keinen Wildtierhandel zu betreiben, keine Wildtiere zu jagen, auf chemische Pestizide zu verzichten und Wildtiere auf ihren Flächen zu dulden. So verbindet das Projekt aktiven Artenschutz mit nachhaltiger Landwirtschaft – zum Schutz des Regenwaldes und für die Menschen vor Ort. Gemeinsam schaffen wir mehr Raum für den Regenwald und seine einzigartigen Bewohner. Einen eigenen Beitrag kann man leisten, wenn man Produkte kauft, die in solchen Agroforstsystemen angebaut werden. Kukang-Kaffee ist ein solches Produkt. Er wird in der Projektregion angebaut und kann über eine Rösterei in der Tschechischen Republik auch online bestellt werden. (https://www.kukang-coffee.org/)
Fotos: Kukang Rescue Program
Hochlandkärpflinge in Mexiko
Lebensraumschutz und Bau eines Erlebnis-Aquariums in Tocumbo
Mexikanische Hochlandkärpflinge sind die wahrscheinlich am stärksten gefährdete Fischgruppe der Welt. Laut Weltnaturschutzorganisation IUCN sind 90 % der 39 existierenden Arten bedroht. Hochlandkärpflinge sind besonders interessant, da sie keine Eier legen, sondern ihre Jungtiere lebend zur Welt bringen. Zwei Monate lang versorgt das Muttertier seinen Nachwuchs im Körper mit Nährstoffen und Sauerstoff – über sogenannte Trophotaenien, die ähnlich wie eine Nabelschnur funktionieren.
Doch Lebensraumverlust, Umweltverschmutzung und eingeschleppte Arten wie Karpfen oder Schwertträger bedrohen ihr Überleben massiv. Die Goodeid Working Group, welche wir seit 2024 finanziell unterstützen, arbeitet an neun Standorten in Mexiko – teilweise über fünf Stunden voneinander entfernt – an Lebensraumrenaturierung, Wiederansiedlungen bereits verschwundener Arten und Umweltbildungsprojekten. Um die verschiedenen Standorte erreichen zu können, muss ein unter anderem ein Fahrzeug angeschafft werden.
Der Bergzoo beteiligt sich zudem ganz konkret an einem Projekt in Tocumbo in Zentralmexiko. Hier soll in der Nähe eines öffentlichen Schwimmbades ein Schauaquarium entstehen, welches über eine natürliche Quelle mit Frischwasser gespeist wird. Die hier gehaltenen Pantherkärpflinge sollen auf die Besonderheiten und die Bedrohung der Hochlandkärpflinge aufmerksam machen und gleichzeitig eine kontrollierte Zuchtmöglichkeit darstellen. Wir möchten das Projekt langfristig fördern, um die nachfolgende Pflege und Bildungsarbeit abzusichern.
Fotos: Goodeid-Working Group
Löwen in Uganda
Unterstützung für Wildtiere und Dorfgemeinschaften in Uganda
An der Grenze des Queen-Elizabeth-Nationalparks in Uganda liegen mehrere kleine Fischerdörfer, die täglich vor großen Herausforderungen stehen: Warzenschweine durchpflügen ihre Gemüsegärten, Löwen greifen gelegentlich ihr Vieh an und die Menschen sind ausschließlich auf traditionelle, nachhaltige Fischerei als Einkommensquelle angewiesen. Da sie an der Grenze zu einem Nationalpark leben, dürfen die Menschen das umliegende Land nicht nutzen und müssen auch die freilebenden Wildtiere – vom Löwen bis zum Elefanten – in ihren Dörfern dulden.
Ein Teil unserer Artenschutzgelder geht an die gemeinnützige Organisation Save Wildlife Uganda, die damit seit 2026 zwei Projekte zur Selbsthilfe unterstützt:
Lichtsysteme zum Schutz vor Löwen
Solarbetriebene, blinkende Lichtanlagen, die rund um die Viehzäune („Bomas“) installiert werden, verhindern Löwenangriffe. Das schützt nicht nur das Vieh, sondern erhöht auch die Akzeptanz der Löwen bei den Dorfbewohnern und hilft somit langfristig, die illegale Wilderei einzudämmen.
Women for Conservation
Mit der Spende konnten drei Nähmaschinen angeschafft werden. Die Frauen vor Ort lernen so, eigene Einkommensquellen zu erschließen, z. B. durch die Herstellung von Körben, Schürzen, Teewärmern oder Brotkörben. Dies stärkt die Familien, schafft Perspektiven und unterstützt dabei gleichzeitig den Naturschutz, da die Menschen vor Ort vom Tourismus profitieren können.
Wir sind stolz, ein Projekt zu fördern, das nicht nur Wildtiere schützt. Gleichzeitig gibt es Menschen in besonders armen Regionen neue Perspektiven.
Fotos: links und Mitte (Dennis Müller), rechts (Save Wildlife Uganda)
ImmenInsel im Bergzoo Halle
Schaffung von Blühflächen und Nistgelegenheiten für Wild- und Honigbienen
Unsere Immen haben es schwer. Die Artenvielfalt geht dramatisch zurück. Mehr als die Hälfte aller in Sachsen-Anhalt nachgewiesenen Wildbienen sind vom Aussterben bedroht und auch die Honigbienen haben ihre Not. Parasiten, Pflanzenschutzmittel, fehlende oder einseitige Nahrung durch ausgedehnte Monokulturen und intensive Grünlandnutzung und nicht zuletzt der Klimawandel haben die Insekten- und folglich auch die Vogelwelt in den letzten beiden Jahrzehnten beinahe unbemerkt drastisch ausgedünnt. Vor diesem Hintergrund gewinnen Maßnahmen zur Gestaltung insektenfreundlicher Lebensräume eine außerordentliche Bedeutung.
Im Gegensatz zu den Generalisten Honigbienen sind Wildbienen oft Spezialisten und haben innerhalb ihrer geringen Flugradien (oft kleiner als 300 m) sehr individuelle Ansprüche an Blüten und Nistgelegenheiten.
Zudem gibt es den Verdacht, dass Honigbienen durch ihre große Anzahl und hervorragende Organisation insbesondere bei Blütenmangel den solitären Bienen die Nahrung streitig machen. Großen Nebenerwerbs- und Berufsimkereien stellen dann dutzende – und damit zu viele – Bienenstöcke in einem Flugradius auf. Von Natur aus ergänzen sich Wild- und Honigbienen und steigern gemeinsam die Bestäubungsleistung.
Seit 2020 gibt es unsere ImmenInsel, die sich auf dem Reilsberg verteilt und aus verschiedenen Bereichen besteht, die in zeitlichem Abstand umgesetzt werden.
- Blühstreifenflächen, extensiv bewirtschaftet (Mahd, Beweidung)
- Ziegelschutthügel und offen gehaltenen Flächen
- Musterfläche für Hausgärten
Im räumlichen Zusammenhang befinden sich ein Honigbienen-Hochstand und Wildbienen-Nistangebote (Trockenmauer, Lehmwall, Totholz, Hohlstengel usw.). Die ImmenInsel kann über die Zoobesucherwege erlebt und erforscht werden.
Initiiert wurde die Immeninsel vom Kleinfolgenreich e.V., den der Bergzoo seit 2020 unterstützt. Der Verein setzt sich für die Förderung und Verbreitung wesensgemäßer Imkerei als Beitrag zur Landschaftspflege und Umweltschutz ein.
Fotos: Bergzoo Halle
Hamster in Sachsen
Überwinterung im Bergzoo – Auswilderung auf hamsterfreundlichen Flächen

Einst weit verbreitet, als Schädling bekämpft und wegen seines Fells industriell bejagt, ist der Feldhamster heute vor allem durch die Intensivierung der Landwirtschaft und durch den Klimawandel akut vom Aussterben bedroht.
Seit 2024 beteiligt sich der Bergzoo am Feldhamsterprojekt „Kooperativer Feldhamsterschutz im Freistaat Sachsen“. Es steht unter der Führung des Leipziger Zoos. Da die Leipziger Zuchtstation an ihre Kapazitätsgrenzen stieß, haben wir als Bergzoo Hilfe angeboten. Jeden Herbst nehmen 42 junge Feldhamster aus Leipzig auf, um diese bei uns überwintern zu lassen. Im darauffolgenden Frühling werden die Hamster auf hamsterfreundlich bewirtschafteten Landwirtschaftsflächen in Sachsen ausgewildert.
Der Leipziger Zoo konnte auf verschiedenen Flächen im Rahmen des Projekts ausgewildert. Die ausgewilderten Hamster haben sich auch bereits fortgepflanzt. Sie bilden so die Grundlage für eine zukünftig sich selbsterhaltende Population in Nordsachsen. Der Bergzoo Halle ist stolz darauf, ein Teil dieses Projektes zu sein und somit einen wichtigen Beitrag zum Schutz dieser heimischen, stark bedrohten Art leisten zu können.
Fotos: Mitte (Simon Kirchberger), links und rechts: Zoo Leipzig
Kampagne „Zootier des Jahres“
Jedes Jahr Fokus auf eine neue Tierart
Die Mehrheit aller bedrohten Tierarten ist eher unbekannt und weniger attraktiv als die klassischen Zoo- und Wildtiere. Daher verfügen diese Arten auch über keine große Lobby, sie erhalten weniger Spendengelder und damit auch weniger Artenschutzmaßnahmen. Aus diesem Grund riefen die Initiatoren im Jahr 2016 die Kampagne „Zootier des Jahres“ ins Leben. Jedes Jahr rückt die Kampagne eine besonders bedrohte, jedoch weniger bekannte oder wenig attraktive Tiergruppe in den Fokus der Öffentlichkeit. Dadurch informiert sie über die Gefährdung dieser Tiere und wirbt zugleich für mehr Unterstützung im Artenschutz.

Wir im Bergzoo Halle unterstützen die 2016 ins Leben gerufene Kampagne. Sie wird von der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP) zusammen mit Mitgliedern der Deutschen Tierpark-Gesellschaft e.V. (DTG), des Verbandes der Zoologischen Gärten e.V. (VdZ) und der Gemeinschaft der Zooförderer e.V. (GdZ) koordiniert. Seit 2021 ist der Bergzoo Platin-Partner, d.h. er unterstützt mit mindestens 5000 € im Jahr.
Die teilnehmenden Einrichtungen konnten im Jahr 2024 über 180.000 Euro für den Schutz von Geckos in Vietnam und Tansania sammeln – ohne die mit der Kampagne verbundene Aufmerksamkeit undenkbar.
Im Jahr 2025 galt die Aufmerksamkeit dem Schutz der Gürteltiere in Brasilien und Kolumbien, von denen wir im Zoo Halle das Südliche Kugelgürteltier pflegen.
Der Kronenkranich wurde 2026 als „Zootier des Jahres“ auserwählt. Mit dieser Auszeichnung möchten die Kampagnenpartner auf die zunehmenden Bedrohungen für den Kronenkranich aufmerksam machen. Die bevorzugten Lebensräume, afrikanische Feuchtgebiete und kleinbäuerliche Kulturlandschaften verschwinden mehr und mehr.
Kronenkranich halten wir im Bergzoo zwar nicht, aber als Vertreter der Kraniche finden Schwarzhalskraniche ein Zuhause bei uns. Diese leben mit den Roten Pandas und Schopfhirschen zusammen und repräsentieren einen Ausschnitt aus den Lebensräumen des Himalaja-Hochlandes in Asien.
Fotos: Gürteltier (Simon Kirchberger), Kronenkranich (Jannis Göttling), Schwarzhalskranich (Julia Hellweg)
Der Zoo-Euro
Die Finanzierung der Artenschutzprojekte erfolgt mit den Einnahmen des Zoo-€uros, den Besucher freiwillig am Einlass entrichten. Dank der Einführung des Zoo-€uros im Jahr 2022 konnte der Bergzoo sein Engagement im weltweiten Artenschutz um ein Vielfaches steigern.
Zusätzlich wurde ein eigenes Artenschutz-Konto eingerichtet, unter welchem Sie uns eine wertvolle Spende zukommen lassen können:
Empfänger: Zoologischer Garten Halle GmbH
IBAN: DE88 8005 3762 0386 0810 58
BIC: NOLADE21HAL
Verwendungszweck: Artenschutz
Vielen Dank für Ihren Beitrag!
Unsere Partner beim Artenschutz






























































