Populärwissenschaftlicher Vortrag

Mit dem Waldrapp über die Alpen bis in die Toskana

Die Veranstaltung endete am 25. Februar 2020 18:00.

Reason for Hope

Der Februarvortrag unserer populärwissenschaftlichen Vortragsreihe wird vom österreichischen Biologen und Evolutionsforscher Dr. Johannes Fritz gehalten. Dieser ist Gründer und Leiter eines der größten europäischen Artenschutzprojekte, das LIFE+ Projekt „Reason für Hope“, das die Wiederansiedlung von Waldrappen in Europa zum Ziel hat. Der zur Familie der Ibisse gehörende Waldrapp war einst ein auch in unseren Breiten verbreiteter Vogel, der in Süddeutschland, Frankreich, Österreich, Spanien, der Schweiz sowie im Westbalkangebiet beheimatet war. Jedoch bereits seit dem 17. Jahrhundert gilt er auf Grund intensiver Bejagung als ausgestorben. Nur in Marokko gibt es noch zwei wildlebende Kolonien mit weniger als insgesamt eintausend Vögeln.

Vortrag Februar Artikelbild 1

Dr. Johannes Fritz gründete bereits 2002 das Waldrappteam, welches sich seither mit außergewöhnlichen Methoden der Wiederansiedlung und Erforschung des Waldrapps widmet. In seinem Vortrag berichtet er anschaulich mittels einzigartiger Filmaufnahmen und Fotos von diesem weltweit ersten Versuch, eine ausgestorbene Zugvogelart wiederanzusiedeln und bei dieser eine neue Zugtradition zu gründen. Dazu werden Nachzuchten aus österreichischen und deutschen Tierparks aufgezogen und später mit einem Ultraleichtflugzeug über die Alpen in ihr italienisches Überwinterungsgebiet begleitet, um von dort mit ihren Artgenossen im Frühjahr selbstständig wieder gen Norden zu fliegen.

Vortrag Februar Artikelbild 2

Der Weg dorthin verlangt jedoch vor allem von den menschlichen Ziehmüttern und deren Helfern einen unermüdlichen Einsatz. Tag für Tag kümmern sie sich um die jungen Waldrappe. Diese sehnen sich nach Nähe und Zuwendung und wollen natürlich auch gefüttert werden. Dazwischen gibt es aber auch für die Waldrappjungen Schulpflicht! Für die mehrtägige Migration über die Alpen werden die Jungvögel spielerisch in speziellen Trainingscamps auf den großen Flug vorbereitet. Sobald die Jungen groß genug sind, absolvieren sie alle paar Tage lang Flugstunden. Denn jeweils bis August müssen alle „Waldis“, wie sie liebevoll vom Projektteam genannt werden, gute Flieger sein. Auch wenn es dann im Frühherbst soweit ist, warten auf der mehrtägigen Reise so einige Gefahren auf die jungen Zugvögel und ihre menschlichen Begleiter. Dies sind insbesondere Stromschläge an ungesicherten Hochspannungsleitungen und die illegale Jagd in Italien.

Vortrag Februar Artikelbild 3

Weitersagen und teilen